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Kitesurfen lernen: 11 Fragen an den deutschen Meister

„Ich habe vom ersten Tag an gewusst, dass Kiten für mich der richtige Sport ist“. Profikiter Linus Erdmann (22) aus Hamburg stand mit neun Jahren das erste Mal auf einem Kiteboard. Heute ist er fünffacher deutscher Meister und gibt sein Wissen an den schönsten Spots der Welt mit viel Passion an die KiteWorldWide-Kunden weiter.

Du und das Kiten – die Geschichte dahinter

Ich bin durch meinen Vater mit neun Jahren zum Kitesurfen gekommen. Mit ihm war ich viel in der Welt unterwegs und habe früh mit Boardsportarten wie Skateboarden, Wakeboarden und Snowboarden angefangen. Ich habe vom ersten Tag an gewusst, dass Kiten für mich der richtige Sport ist. Kiten verbindet die Elemente Natur, Action und Entspannung einfach auf perfekte Weise. Mit elf Jahren fuhr ich meine ersten Wettkämpfe und kurz darauf kam mein erster Titel als Junior Deutscher Meister im Freestyle. Bis heute hat sich an meiner Liebe zum Kiten nichts geändert. Ich befasse mich in meinem Leben täglich mit Sport, vor allem Kitesurfen und Dingen, die mir Spaß machen.

Inzwischen habe ich mir den 5. Titel als Deutscher Meister gesichert. Mit meinem Sponsor KiteWorldWide darf die meiste Zeit des Jahres im Ausland verbringen und so kann bei besten Bedingungen für kommende Wettkämpfe trainieren. Um den Alltag nicht einseitig zu gestalten, beschäftige ich mich viel mit Fotografie und Videoproduktion unter anderem für den KiteWorldWide-Blog. Ich liebe es, wenn Menschen kiten lernen wollen und gebe gerne Tipps in meinen VIP Coachings.

Was macht für dich die Faszination Kiten aus?

Was ich immer wieder klasse finde: Es braucht wirklich nicht viel fürs Kitesurfen. Einfach nur vom Wind getragen hat man die Möglichkeit, auf dem Wasser weite Strecken zurück zu legen, wunderschöne Landschaften zu entdecken und ganz individuell sein Ding zu machen. Für einen Freigeist wie mich ist das genau das Richtige! Das Meer und seine Kraft faszinieren mich jeden Tag aufs Neue und geben mir eine große innere Ruhe – selbst wenn der Alltag mal stressig ist. Jeder Ort ist anders und immer sind die Bedingungen etwas Besonderes. Ich könnte den ganzen Tag in den Naturgewalten verbringen und hätte nie das Gefühl etwas zu verpassen. Eher im Gegenteil!

Wie hat sich der Kite-Sport in den vergangenen fünf Jahren verändert?

Kitesurfen hat seinen Anfang um die Jahrtausendwende. Es wurde in den letzten knapp 20 Jahren geprägt von ehemaligen Wassersportlern, die immer auf der Suche nach noch effizienteren Sportgeräten waren. So sind sie vom Surfen, übers Windsurfen zum Kitesurfen gekommen. Diese Kombination aus den vielen Elementen bereits vorhandener Sportarten ist der Ursprung des Kitens. Anfangs war das Material in einem eher experimentellen Stadium und für die Masse noch nicht tauglich. Die ersten Kiter gingen ein ziemlich großes Risiko auf dem Wasser ein. Seit damals haben sich die Sicherheitssysteme wesentlich verbessert. Auch das Material, die Formen für Boards und Kites sind sehr viel sicherer, ausgereifter und heute fast kinderleicht zu handhaben. Und natürlich spielt auch das „Drum Herum“ eine Rolle. Jedes Jahr werden neue Spots erschlossen und das Wissen über den Sport und das Material schreitet mit jeder neuen Erfindung und Verbesserung voran.

Wie einfach ist Kiten zu lernen und wie lange braucht ein Anfänger dafür?

Die einfache Handhabung und simple Funktionsweise des Kites machen den Lernprozess etwa im Vergleich zum Windsurfen sehr einfach. Mit Grundkenntnissen in anderen Boardsportarten geht es noch leichter. Dennoch sollte man einige Tage Zeit mitbringen um sich in allen nötigen Punkten rund um die Themen Sicherheit und Funktionsweise schulen zu lassen und ausreichend praktische Erfahrung zu sammeln. So muss man beim nächsten Mal nicht wieder von vorn beginnen. Ideal ist natürlich ein Kite-Urlaub. Her ist man sowieso schon in einer entspannten Grundstimmung und hat ein bis zwei Wochen Zeit, dass Kitesurfen zu lernen. Die körperlichen und die kognitiven Fähigkeiten sowie das Umsetzen des Gelernten entscheiden, wie schnell man sicher auf dem Brett steht und in alle Richtungen fahren kann. Für einige Wenige mit guten Vorkenntnissen und täglich vielen Stunden auf dem Wasser reichen drei Tage. Die meisten Anfänger können nach ein bis zwei Wochen sicher den Kite kontrollieren und einige Meter auf dem Brett zurücklegen.

Für wen ist Kiten eine geeignete Sportart?

Heutzutage kann man Dank der großen Entwicklung in den letzten Jahren sagen, dass Kitesurfen eine Sportart für fast jeden ist, der Lust darauf hat. Von jung bis alt und groß bis klein hat jeder die Möglichkeit das Kitesurfen zu erlernen. Es ist schon lange kein gefährlicher Extremsport mehr welcher von Verrückten betrieben wird, wie es anfangs eine Zeit lang dargestellt wurde. Die Pionier-Zeiten sind vorbei und so kann jeder mit einem normalen körperlichen Fitness-Level den wahrscheinlich schönsten Sport, auf dem Meer und unter der Sonne genießen.

Die drei wichtigsten Voraussetzungen fürs Kiten lernen

Du musst motiviert sein, den Sport zu lernen und später auch regelmäßig zu betreiben. Du solltest dich mit Wind und Wasser wohl fühlen (du solltest sicher schwimmen können). Schaue online nach dem Thema „Kiten Lernen“ und informiere dich vorab über das Thema Kitesurfen. So kommst du gut vorbereitet in den Unterricht und kannst ein Grundverständnis über Wind und Wasser erlangen.

Ausrüstung am besten gleich kaufen?

Die erste Kite-Ausrüstung sollte gut überlegt und nicht überstürzt gekauft werden. Das Level verändert sich schnell zum Anfang und auch die späteren Präferenzen sind noch nicht absehbar. Bei guten Kiteschulen bekommst du das beste und neuste Material von großen Kitemarken wie Core Kiteboarding und anderen zum Lernen und Ausprobieren gestellt. Später kann man mit etwas mehr Erfahrung gezielt das richtige Board und den Kite für die eigenen Bedürfnisse kaufen. Kitesurfen bietet verschiedene Arten und Stile – von Freeride* zu Freestyle* bis hin zu Big Air*, Wave* und Hydrofoil* ist alles möglich.

Deine Tipps für die besten Einsteiger-Spots weltweit

Für leichte Personen, oft Frauen und Kinder, sind Sansibar und Ägypten für den Anfang optimal. Leichter Wind, warmes und stehtiefes Wasser sowie eine fast ganzjährige Saison sind hier die größten Vorteile! Für die Schwergewichte unter uns (zu denen ich mich auch zähle) sowie sportliche Personen eignen sich Brasilien und Sri Lanka perfekt. Mit täglich starkem Wind nach dem man die Uhr stellen kann, schönen Lagunen und warmen Temperaturen sind diese beiden Ziele tolle Anfängerdestinationen.

Deine drei wichtigsten Profi-Lern-Tipps für Kiteinsteiger

1. Habe niemals Angst aber immer Respekt gegenüber dem Material und der Natur!
2. Kraft ist nie der richtige Weg, die Technik ist entscheidend.
3. Überschätze dich nicht selbst und unterschätze nie Risikofaktoren wie Starten und Landen, Hindernisse und Objekte um dich herum usw.

Du gibst VIP-Coachings. Sind diese auch was für Nichtprofis und profitieren zum Beispiel Einsteiger davon? Was sind die neuesten Entwicklungen im Kite-Unterricht?

Mit meiner langjährigen Erfahrung im Kitesurfen kann ich für jede Person angepasste Tipps und Tricks vermitteln. Dabei ist es egal, ob erste Sprünge trainiert werden oder bereits fortgeschrittene Kitesurfer spezifische Tipps oder Inspiration brauchen. Ich kann da eigentlich jedem bei seinem Ziel weiterhelfen. Als Beobachter kann ich auf alle nötigen Punkte bei Sprüngen und Tricks eingehen, um Schülern auf schnellem Weg zum Erfolg zu verhelfen. Videoaufnahmen von den Versuchen helfen zu einem späteren Zeitpunkt bei der Analyse.
Früher wurde vom Lehrer einfach über die Lagune geschrien. Heute ist der Trainer mit der neuesten Technologie zum Beispiel von „BB Talkin“ Funkgeräten, die ich auch nutze, mit dem Schüler in ständigem Kontakt. So kann er auch während eines Manövers Anweisungen geben. Das kommt natürlich besonders allen zugute die einen Anfängerkurs belegen. Hier hilft die Stimme im Ohr, eventuelle Fehler direkt zu vermeiden oder vor Gefahrensituationen zu warnen. Was ich richtig cool finde: dass mit dieser Technik die Familie oder auch Freunde live dazu geschaltet werden können, um an dem Lernprozess teilzuhaben und sich mit zu freuen.

Darum ist das Leben als Profi-Kiter manchmal auch hart…

Das tägliche Training und der hohe Leistungsdruck wirken sich irgendwann auf die Psyche und den Körper aus. Viele Profi-Kiter haben mit Verletzungen und langen Regenerations-Phasen zu kämpfen, in denen sie für ihre Sponsoren nicht „zur Verfügung“ stehen. Außerdem schläft die Konkurrenz nie; sie ist immer da und sich zu behaupten kann anstrengend und belastend sein. Dazu kommt, dass wir längst nicht so viel verdienen wie etwa Fußballer. Nichtsdestotrotz überwiegt die Leidenschaft immer und ich bereue es keinen einzigen Tag. Mein gesamtes Leben ist auf das Kitesurfen ausgerichtet und ich freue mich auf hoffentlich viele weitere gesunde und spannende Jahre.

Bitte was…?

Freeride* … der Free-Ride-Style des Drachen-Surfens. Ohne besonderes Ziel, einfach mit Spaß in Wind und Wellen.

Freestyle*…hier geht es hauptsächlich um kraftvolle Tricks, Sprünge, Rotationen

Big Air*…hier geht es darum, sich so hoch wie möglich in die Luft zu katapultieren und dabei stylische Tricks zu zeigen

Wave*…hier geht es ums Wellenreiten mit einem surfboardähnlichen Directional ohne Fußschlaufen und natürlich wieder…um coole Tricks

Hydrofoil*…mit einem speziellen Kitefoil oder Hydrofoil kann man gefühlt über der Wasseroberfläche schweben

Interview als PDF-Download

Zum Nachlesen im Netz: www.linuserdmann.de

Pressebilder zum Interview

Autor:

Dana Hesse, Jahrgang 1976, Journalistin und PR-Beraterin aus Berlin.

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